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Critics

Die Kunst, den Blues zu dekonstruieren
Artikel der Berner Zeitung vom 16. März 2009
(PDF, 500KB)
Samuel Mumenthaler, Berner Zeitung

Zeichen setzen, Spuren hinterlassen
Viele haben es schon versucht aber: Der Blues lässt sich nicht oder nur sehr theoretisch von seiner historischen Quellenlage her erschliessen, mit historiographischem Fleiss und Schweiss ist da wenig gewonnen. Der Blues: Das sind Botschaften aus der Jetzt-oder-nie-Zeit, morgen zwar nicht vergessen, aber nur noch halb so wichtig. Und: Für den Blues gibt es, bei allem schwarzen Erstgeburtsrecht, nur ein Kriterium, das gelebte Leben.
Wie anders wäre erklärbar, dass ausgerechnet ein Berner (ich sage das ganz ohne Lokalchauvinismus: ausgerechnet ein Berner) den Blues singt, als ob er ihn gerad selber erfunden hätte? George J. Steinmann, seit 30 Jahren auch als Musiker aktiv, gehört zu den eigenwilligsten Schweizer Musikern. Das Geröll der tausend Moden, das der Hauptstrom des Blues inzwischen mitschleppt, interessiert ihn nicht, Authenzität schon eher, allerdings: Musikalisch praktiziertes Quellenstudium geht bei ihm sowohl nach aussen, in die USA, in die Geschichte, wie nach innen, zu den Sedimentierungen der eigenen Gefühlslagen. Von 1975 bis 1978, mit seinen "Blues Shouters", orientiert er sich noch weitgehend am alten Chicago- und Memphis Blues. Nach einem längeren Studien- und Arbeitsaufenthalt in San Francisco vertraut Steinmann mehr den eigenen Erfahrungen. Raum in Beschlag nehmen, Zeichen setzen, Spuren hinterlassen: Blues als Gebrauchsmusik, gewiss über den Tag hinaus, aber nicht als Kunst im eigentlichen Sinn des bürgerlichen Boulevards - nicht zufällig arbeitet Steinmann auch als bildender Künstler in ähnlicher Richtung.
Christian Rentsch, Tagesanzeiger Zürich

Are you ready for the Blues?
"Sit dr zwäg für e Blues?" fragte George Steinmann die Besucher eines denkwürdigen Abends in der Mühle Hunziken. Sie waren zwäg die Zuhörer. Noch zwäger aber waren die Musiker: George Steinmann, Mike Henderson, Jürg Lehmann und Michel Poffet erwiesen dem Blues in seiner Ursprünglichkeit ihre Ehre.
Es bebten die Saiten, es bebten die Herzen, es bebte schliesslich auch der Boden der Mühle Hunziken. Die George Steinmann Blues Band verwandelte den bestandenen Klub innert Kürze, genauer innert fünf Stücken, in einen stimmigen Blueschuppen. Was an diesem Abend an Gefühlen, an Eingebung wie Funken zwischen den Musikern hin - und hersprang und schliesslich auch aufs Publikum übergriff war grosse Klasse.
Nach den Wurzeln der Wahrheit suchend, spielten die George Steinmann Blues Band und ihr Gast Mike Henderson an diesem Premierabend der aktuellen Tournee einen an der Tradition orientierten ehrlichen Blues, der aus dem Moment entstanden, einmalig und doch zeitlos ist.
abk, Der Bund

Blues forever!
"Gut sich wieder einmal daran erinnern zu lassen: Der Blues - das ist ja nicht bloss und in erster Linie diese sozusagen schwarze zwölftaktige Liedform, das schwarze "call and response" Schema, auch nicht die schwarzen "blue notes" oder "dirty tones". Abgesehen davon, dass es dies alles, die zwölftaktigen Lieder, das Ruf-Antwort Muster (etwa in den Shanties), die "schmutzig" intonierten Töne in Europa auch gab und gibt - der Blues ist ein schwarz-weisser Bastard durch und durch -, abgesehen davon: Nicht die musikalischen Formen, sondern das "feeling" machen den Blues aus, ja der Blues ist recht eigentlich eine Lebenshaltung: Pessimismus des Gefühls und Optimismus der Tat, ein bisschen trauriges Selbstmitleid und viel Lebenshunger, alles gepfeffert mit dieser leicht selbstironischen Distanz, ohne die man nicht trotzdem gut leben könnte. Dies alles ist der Blues, deshalb auch seine zeitlose Vitalität, seine Originalität, deshalb auch ist er dieses Wurzelwerk, aus dem sich die gesamte U-Musik seit Jahrzehnten speist. Anlass, sich wieder einmal daran zu erinnern, ist die George Steinmann Blues Band. George Steinmann, auch bildender Künstler, ist ein echter Bluesmann nicht deswegen, weil er über eine erstaunlich "schwarze" Stimme verfügt, auch nicht deshalb, weil er sich gewiss auch an den musikalisch tradierten Blues-Formen, an schwarzen Musikern wie B.B. King und Luther Allison orientiert. Steinmann benutzt diese Musik, vorallem auch Soul, Gospel und Rhythm and Blues, bloss als Basis, als Vehikel; Inhalte aber, sowohl der Texte wie auch der Emotionen, sind durchaus aktuell. Blues forever!"
Christian Rentsch, Tagesanzeiger Zürich