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Critics

Visual Arts:

Feinstofflich und geduldig
George Steinmann ist ein Künstler, der zugleich Philosoph und Forschender ist. Er stellt Fragen, macht ausgedehnte Recherchen und sucht nach ästhetischen formen, wie diese Fragen dargestellt werden können. Dabei ist sein Ansatz universell, und zwar im doppelten Wortsinn. Steinmann sucht einerseits nach Zusammenhängen und baut Netzwerke auf, so kooperiert er beispielsweise mit dem Max-Planck-Institut für Genetik und arbeitet mit Architekten, Umweltethikern und Blues-Musikern zusammen; andererseits ist seine Universalität geografisch, in dem er Projekte in den Schweizer Alpen ebenso vorantreibt wie in der russischen Tundra, in Kirgistan oder auf der Ostseeinsel Vilm. In Steinmanns Atelier wähnt man sich in einem Laboratorium, einem wohlgeordneten, in dem Tische mit Gläsern, Fundstücken, Skizzen, Notizen, Fotografien und Modellen stehen. An den Wänden hängen violett eingefärbte Zeichnungen. Auf ihnen sind Notizen zu erkennen, die aber nicht mehr lesbar sind, gewissermassen Schichtungen von Gedanken und Texten, die sich um Fragen der Wahrnehmung, der Naturwissenschaften, der Stofflichkeit drehen. All das sind Dokumente des Forschens. Nun aber ist der Künstler zwar ein systematischer, aber kein wissenschaftlicher Forscher. Seine Experimente suchen die sinnliche Präsenz, auch von Dingen die nicht sichtbar sind, ergründen Zusammenhänge und Wechselwirkungen, die es in ihrer Stofflichkeit erst einmal wahrzunehmen gilt. Steinmann zielt dabei mit seinem Werk auf Respekt den Dingen, der Natur und den Menschen gegenüber, auf den Dialog zwischen den Menschen und auf eine Nachhaltigkeit, die sich nicht in der gängigen Worthülse erschöpft.
Konrad Tobler, 2016. Text in der Publikation Prix Thun für Kunst und Ethik.

Kunst ohne Werk aber mit Wirkung
Wenn das inflationär verwendete Wort "Nachhaltigkeit" wirklich substanziell umgesetzt ist, dann im Werk des Künstlers George Steinmann. Seine Kunst basiert auf umfassenden Naturrecherchen, ist fragile, sinnlich und sinnhaft zugleich. Das zeigen die grosse Ausstellung im Kunstmuseum Thun ebenso wie eine Kabinettpräsentation in der Galerie Béatrice Brunner in Bern.
Ein Gleisstück, 18 Meter lang, statt Schotter Anthrazitkohle, die Schienen scheinen zu glühen: Das ist George Steinmanns Installation "Das fossile Zeitalter" im Kunstmuseum Thun. Wie immer arbeitet Steinmann (*1950 in Bern) zugleich reduktiv und symbolisch. Er verweist mit dem kurzen Gleisstück auf die kurze Epoche seit der Industrialisierung und zugleich darauf, wie extensiv in dieser Zeit die Ressourcen der Erde verbraucht werden - ohne Rücksicht auf die Natur und auf die Zukunft.
Steinmann ist ein Künstler, der zugleich Philosoph und Forscher ist. Er stellt Fragen, macht ausgedehnte Recherchen und sucht nach ästhetischen Formen, wie diese Fragen dargestellt werden können. Dabei ist sein Ansatz universell, und zwar im doppelten Wortsinn: Steinmann sucht einerseits nach Zusammenhängen und baut Netzwerke auf, so kooperiert er beispielsweise mit dem Max-Planck-Institut in Dresden und arbeitet mit Architekten, Umweltethikern oder Blues-Musikern zusammen; andererseits ist seine Universalität auch geografisch, in dem er Projekte in den Schweizer Alpen ebenso vorantreibt wie in der russischen Tundra, in Kirgistan oder auf der Ostseeinsel Vilm.
Die Ausstellung "Call and Response" im Kunstmuseum Thun stellt all diese Langzeitprojekte - viele verfolgt Steinmann unermüdlich über lange Jahre hinweg - wie in einer Versuchsanordnung vor. Man wähnt sich in einem Laboratorium, einem wohlgeordneten, in dem Tische mit Gläsern, Fundstücken, Skizzen, Notizen, Fotografien und Modellen stehen. An den Wänden hängen violett eingefärbte Zeichnungen. Auf ihnen sind Notizen zu erkennen, die aber nicht mehr lesbar sind, gewissermassen Schichtungen von Gedanken und Texten, die sich um Fragen der Wahrnehmung, der Naturwissenschaft, der Stofflichkeit drehen. Ihre intensive Farbigkeit erhalten die Blätter dadurch, dass Steinmann dem Papier mit einer Spritze Heidelbeersaft injiziert - ein altes Heilmittel, das die Sehkraft schärft.
All das sind Dokumente des Forschens. Nun aber ist der Künstler Steinmann zwar ein systematischer Denker, aber kein wissenschaftlicher Forscher. Seine Experimente suchen die sinnliche Präsenz, auch von Dingen, die nicht sichtbar sind; sie ergründen Zusammenhänge und Wechselwirkungen, die es in ihrer Feinstofflichkeit erst einmal wahrzunehmen gilt. Steinmann zielt dabei mit seinem Werk auf Respekt den Dingen der Natur und den Menschen gegenüber, auf den Dialog zwischen den Menschen und auf eine Nachhaltigkeit, die sich nicht in der gängigen Worthülse erschöpft. So verbindet er Kunst und Ethik.
Steinmann hinterfragt dabei den abgeschlossenen Werkcharakter der Kunst und legt das Gewicht auf die Prozesse, die er in Gang setzt. Zwar können sich diese materialisieren, wie dies etwa in der bereits im Architekturmodell vorhandenen dialektischen Denk-und Arbeitszelle "Mittendrin am Rande" auf der ökologisch und kunsthistorisch bedeutenden Insel Vilm oder im armen bernischen Bergdorf Saxeten der Fall ist. Aber typisch für Steinmann ist eher ein Werktitel wie "Kunst ohne Werk aber mit Wirkung" (2010-2013). Dabei ging es um ein Kunst - und Bau Projekt für eine Abwasserreinigungsanlage bei Bern. Steinmann setzte dort das Wasser als Feinstoff ein, indem sämtliche Baumaterialien mit Quellwasser aus dem Unterengadin gewässert, imprägniert oder "informiert" wurden. Weitere Teile der Installation sind Quellsubstanzen, also Mineralien, die der Künstler während 25 Jahren aus dem Wasser im Engadin herausdestillierte. Dritter Teil der Intervention war ein Wasserbeirat, der sich über zwei Jahre hinweg mit Fragen und Problemen des Wassers beschäftigte, also jener Ressource, die Leben erst möglich macht. Und genau deswegen auch eminenten politischen Zündstoff birgt.
Wie ernsthaft Steinmann seine "Kunst-Recherchen" betreibt und wie sehr diese Ernsthaftigkeit gewürdigt wird, zeigt sich in der Tatsache, dass dem Künstler 2011 für sein über die einzelnen Disziplinen hinausgehendes, vernetzendes Denken, Forschen und Arbeiten der Ehrendoktortitel der philosophisch-historischen Fakultät der Universität Bern verliehen wurde.
Konrad Tobler. ArtMapp, Magazin für Kunst, Architektur und Fotografie. Nov. 2014

George Steinmann macht in Nairs das Unsichtbare sichtbar
Wer die aktuelle Ausstellung "La puntinada gelgua/ Das gelbe Gerüst" im Zentrum für Gegenwartskunst Nairs bei Scuol betritt, wird sofort mit einer Installation konfrontiert. Ein grosser Tisch dominiert den Raum. Er ist voller Glasflaschen und Weckgläser, seltsame Kugeln finden sich neben dünnen Scheiben, Pinsel und Gesteinsbrocken liegen in der Nähe von Spritzen. "The World and the Mind, 1988-2012" ist der Titel der Arbeit. Besonders geheimnisvoll sind die Substanzen, die sich in Gefässen befinden. Ordentlich angeschrieben findet sich da beispielsweise "Dolomit Val S-Charl", "Wasser von Nairs, täglich, 21.Juni bis 29.September 2012", "Bündner Schiefer Sand 2005" oder "Wilder Wermut (Artemisia mutellina) Blätter 1990". Was da fast alchemistisch anmutet ist eine sich ständig verändernde Assamblage des Künstlers George Steinmann. Ausschliesslich natürliche Materialien, neben den Quellsubstanzen auch noch Flechten und Beeren, sind auf dem Tisch versammelt. Sie sind der Ausgangspunkt für Steinmanns faszinierendes Schaffen.
Eine enge Verbindung
Der 1950 in Bern geborene bildende Künstler und Musiker Steinmann war 1988 der erste Kurator des Kulturzentrums Nairs. Er entwickelte eine starke Affinität zum Ort und den Heilquellen und beschäftigt sich seit 25 Jahren in einem teil seines Werks mit ebendiesem Ort, seiner Kraft und Ausstrahlung. "Steinmann ist wohl am tiefsten eingedrungen in den Ort mit der besonderen Energie, Konzentration und Natur" sagt Christof Rösch, Direktor und Kurator von Nairs. "Und er ist Vorkämpfer für die Diskussion zu Wert und Bedeutung des Wassers". Die unterschiedlichen Dimensionen des Wassers sind auch das Thema des diesjährigen Kulturprogramms von Nairs.
Ein forschender Künstler
Steinmann hat die Substanz zur Grundlage seiner Arbeiten gemacht, er macht das Unsichtbare sichtbar. So extrahiert er beispielsweise aus dem Wasser der Mineralquellen die zahlreichen nicht wahrnehmbaren Mineralien und Farbpigmente und bringt alles in eine feste Form. Das Ergebnis verwendet er für seine Arbeiten, ganz wie die Künstler vergangener Tage vor der Erfindung der chemischen Farben. Es ist ihm wichtig, dass dem Moment des Ausstellens die für das künstlerische Schaffen nicht minder wichtige Phase des Entdeckens, Auf- und Bearbeitens und Ordnens voran geht, der die Nutzung und Umarbeitung stets nachgelagert ist. Steinmann arbeitet interdisziplinär, er ist ein forschender Künstler, der Zusammenhänge und Gespräche sucht. Er versteht seine Kunst aals Teil der Gesellschaft und engagiert sich in gesellschaftlichen und ethischen Fragen, es geht ihm um die grossen Zusammenhänge und auch um die Rolle des Künstlers in unserer Zeit. Im vergangenen Jahr wurde Steinmann mit der Ehrendoktorwürde der philosophisch-historischen Fakultät der Universität Bern ausgezeichnet, eine Würdigung, die vor ihm nur vier Kunstschaffenden, unter ihnen Hermann Hesse und Alberto Giacometti, zu Teil wurde.
Werk von suggestiver Ausstrahlung
Im Dachstock von Nairs kann sich der Besuccher in ein anderes Werk Steinmanns versenken, ein Kunst-im-Bau Projekt unter dem Titel "Kunst ohne Werk, aber mit Wirkung". Mit Quellwasser und Heidelbeersaft bearbeitete historische Fotoserien verblüffen ebenso wie spannungsreiche Arbeiten mit grafischen Strukturen oder monochrome Blätter mit unterschiedlichen farbigen Quellpigmenten. Die wissenschaftliche Begleiterin der Ausstellung, die Kunstwissenschaftlerin Rachel Mader, betont als eines der zentralsten Elemente in Steinmanns Schaffen das intensive Interesse für den jeweiligen Ort seiner künstlerischen Interventionen, für dessen nicht immer sichtbares Potenzial.
Marina U.Fuchs, Die Südostschweiz, 13.September 2012

Der Künstler als Forscher
George Steinmann beschäftigt sich in seinem vielschichtigen Werk mit der Wechselwirkung zwischen Kunst und Wissenschaft und den komplexen Beziehungen zwischen verschiedenen Paradigmen ganz generell. Er versteht die Kunst als gesellschaftsbezogene Praxis und agiert vorwiegend orts-spezifisch im eigentlichen Sinn. Paolo Bianchi schrieb bereits im Jahr 2000 im Kunstforum (Zitat): "George Steinmann geht es bei seinen Interventionen um exemplarische Wahrnehmung und Erkenntnisarbeit, letztlich um die Frage nach der Verantwortung in der Kunst für Mensch und Umwelt." Vor 25 Jahren hat George Steinmann in Nairs als erster Kurator im damals neu gegründeten Kulturzentrum ein Klima der "Grenzüberschreitungen" und der "Transdisziplinarität" geschaffen. Nicht nur die grenzüberschreitenden Erfahrungen des Künstlers haben sich eingeprägt in sein Wirken, sondern vor allem auch die vor Ort vorgefundene Geologie mit den Substanzen der Heilquellen Luzius, Bonifazius, Emerita, Carola, Sfondraz. Das jüngste Beispiel ist die Arbeit "Kunst ohne Werk aber mit Wirkung" für den Neubau der ARA der Region Bern (2010-2012). Unter anderem hat George Steinmann bei dieser Arbeit sämtliche "nass verarbeiteten" Baumaterialien wie Beton, Gips, Kalk, Fassadenverputz und die Farbanstriche für das ganze Gebäude mit Quellwasser aus Nairs, Scuol und Tarasp "homöopathisch informiert". 2012 kehrt der Künstler nun zum ersten Mal mit seinen Werken zurück an den Ort ihres Ursprungs: Die Sommerausstellung "Das gelbe Gerüst" / "La puntinada gelgua" thematisiert die Substanz des Quellwassers und die Wirkung des "Genius Loci" auf den Künstler und sein Werk. Und nicht zuletzt versetzt die Rückkehr des Künstlers zu den "Quellen seines Schaffens" (im doppelten Sinn) den Resonanzraum Nairs ins Schwingen. Die Arbeit Steinmanns bildet quasi das Fundament für die laufenden Diskussionen rund um die Kulturgeschichte der Region Unterengadin und der Rettung der Isla Nairs mit dem Kurhaus, der Trinkhalle, dem Badhaus und dem Park. Letztlich ermöglicht uns die Kunst von Steinmann, das Nationale Denkmal Nairs erneut zu befragen, dieses neu zu interpretieren und in die Zukunft zu denken. In Gorge Steinmanns Atelier in Bern lagern unzählige Arbeiten auf Papier und auf Leinwand, aber auch Fotografien, die aus den Substanzen von Nairs entstanden sind. Das Unterengadin hat ihn in seinen Bann gezogen und eine explizit ortsspezifische Auseinandersetzung resultiert daraus. Dies gipfelt in einem "Denkmal" für das durch den Grossbrand zerstörte Hotel "Waldhaus" in Vulpera, das speziell für die Ausstellung entstanden ist. Die Werkauswahl für die Präsentation in Nairs spannt einen Bogen über ein Vierteljahrhundert Werkgenese von George Steinmann - eine Zeitspanne, die angesichts der geologischen Zeiträume, von denen diese Ausstellung handelt, verschwindend klein ist. Ebenso galt es, ein faszinierendes, zwischen verschiedenen Wahrnehmungsebenen und Wissensformen changiertes Werk so zu präsentieren, dass nicht nur die forschenden und gesellschaftlichen Aspekte, sondern auch das sinnliche Erleben von Steinmanns Schaffen zum Ausdruck kommt. Die sorgfältige Handwerklichkeit, die das Werk Steinmanns durchdringt, ist Ausdruck einer tiefen ethischen Verpflichtung dem Beruf (der Berufung) gegenüber. Und nicht zuletzt soll mit der Ausstellung in Nairs die Rolle des Künstlers im 21. Jahrhundert befragt werden. George Steinmann lebt mit seiner transdisziplinären und forschenden Arbeitsweise in den unterschiedlichen Projekten eine gesellschaftsrelevante Rolle des Künstlers vor, die nicht nur in den Arbeiten für den öffentlichen Raum zum Tragen kommt. Seine zutiefst integrative, der Natur und dem Menschen verpflichtete Grundhaltung, nimmt Verantwortung wahr für die Gesellschaft und versteht Kunst als Bestandteil sozialer Prozesse. Mit dieser Haltung und Arbeitsweise führt George Steinmann die Kunst zurück aus dem "White Cube" mitten in die Prozesse des Lebens, ins soziale Netzwerk. Die sozialen Zusammenhänge treten unterschwellig in praktisch allen Arbeiten George Steinmanns auf. Steinmann ist Sammler und Forscher: Das mehrteilige Werk "The World and the Mind", 1988-2012 ist Ausgangspunkt der retrospektiv angelegten Ausstellung. Die Gesteinsarten, das Wasser der Heilquellen, Erdsubstanzen und Pflanzensäfte sind laborartig auf einem Tisch ausgelegt. Dass im Prozess befindliche Werk ist gleichzeitig Verdichtung von Substanzen sowie der Materialfundus für sämtliche Werke, die in Nairs zu sehen sind. Steinmann verfolgt seine Ideen hartnäckig, ohne ein puristischer Konzeptkünstler zu sein, denn dafür ist sein Werk viel zu sinnlich und sind seine Ausgangsstoffe zu sehr in der Natur verhaftet. Er bewegt sich in der Landschaft und studiert ihre Phänomene, ohne ein typischer Land-Art-Künstler zu sein. Zu den zentralen Werken Steinmanns gehört die "Rückkehr des Raumes", die von 1992-1995 erfolgte Renovation der Kunsthalle Tallinn (Estland), die exemplarisch für Steinmanns Agieren im öffentlichen Raum steht: Nachdem hier zunächst vorgesehen war, dass der Künstler eigene Werke ausstellt, entschloss er sich angesichts des desolaten Zustands des Hauses kurzerhand, das Gebäude im Sinn einer "nachhaltigen Skulptur" zu sanieren, mit der Konsequenz, dass bei der Fertigstellung zunächst nichts anderes als die leere Kunsthalle selbst ausgestellt wurde und Steinmann seine Funktion als Künstler in Richtung Netzwerker und Generalunternehmer ausweitete. George Steinmann agiert fern von Mainstream und Labelkunst; er lebt uns eeinen Kunstbegriff vor, von dem ich mir möglichst viele Nachahmer erhoffe.
Christof Rösch, Kurator; Bündner Tagblatt 29.8.2012

George Steinmann
Nairs - Kunst nicht um des dekorativen Effektes wegen, sondern vielmehr als sichtbares Ergebnis jahrelanger Forschung: George Steinmann zeigt im Zentrum für Gegenwartskunst Nairs seine Arbeiten - farbige Bilder, bearbeitete Fotografien, und eine faszinierende Installation. Seit 1988 kennt Steinmann Nairs, wo er während zwei Jahren als Kurator arbeitete. Er kehrte immer wieder zurück und liess sich ein in die aussergewöhnliche Situation dieser Landschaft. Er hat sie sich zu eigen gemacht, hat Dinge entdeckt und gesammelt, die es nur hier gibt, Quellwasser, Sedimente, Flechten, Beeren, Blätter, Erde, Gestein - und anderes mehr. In vielen Arbeiten bezieht sich Steinmann explizit auf diesen Ort. Doch immer geht es ihm um ein Ganzes, um die grossen Zusammenhänge, die sich nicht auf den Ort beschränken, sondern letztlich das ganze Leben umfassen und sich in komplexen Wechselbeziehungen gegenseitig beeinflussen. Man beginnt oben im Dachboden, wo in Texten und Bildern eine Arbeit am Bau an der ARA in Bern dokumentiert ist. Noch etwas ratlos erfährt man, wie der Künstler die dort verwendeten Baumaterialien mit homöopathischen Dosen von Unterengadiner Quellwasser "informiert" hat: "Kunst ohne Werk aber mit Wirkung" (Titel G. Steinmann). Die "Wirkung" teilt sich dann eben unsichtbar mit, wenn der Bau ausgeführt ist. Langjährige Forschungen und Studien begleiten sein Werk. In der darunterliegenden, lichterfüllten Halle ist eine ganze Wand mit monochromen Bildtafeln ausstaffiert. In verschiedenen Formaten, in erdigen Naturtönen, hell und dunkel, ocker, rotbraun, beige, anthrazit korrespondieren diese Pigmente aus der Umgebung von Nairs wunderbar mit dem grauen Steinboden. Einzelarbeiten zeigen Schraffuren, Durchblicke, sandige Flächen, immer randlos mit breitem Pinsel über die ganze Bildfläche verteilt. Von Sonnenlicht beeinflusste Papierarbeiten verweisen auf die Wirkung der Naturkräfte und der Zeit. Wie die Essenz der zahlreichen, höchst wirkungsvollen, überaus exakt gearbeiteten Bildtafeln steht in der Eingangshalle "das gelbe Gerüst"- ein einfacher Holztisch, auf dem sich nahtlos die Substanzen aneinanderreihen, die dem Künstler für seine künstlerische und ebenso forschende Arbeit dienen und die allesamt aus der Umgebung stammen: Eine Performance von Farben und Formen, Aggregatszuständen, Gefässen und Geräten, welche die Philosophie des Künstlers nachhaltig und eindrucksvoll darbietet.
Gisela Kuoni, Kunst Bulletin Schweiz 17.08.2012

Der Künstler als Sammler und Forscher
Das Helmhaus Zürich zeigt eine Werkschau von George Steinmann.

Der Künstler George Steinmann beschäftigt sich in seinem vielschichtigen Werk mit der Wechselbeziehung zwischen Kunst und Naturwissenschaft und versteht Kunst als gesellschaftsbezogenen Prozess. Arbeiten aus den letzten zwanzig Jahren sind im Helmhaus zu sehen.
Schon im Mittelalter lobte die Äbtissin Hildegard von Bingen die Heilwirkung der Heidelbeere: Gegen Entzündungen des Mund -und Rachenbereichs sollte sie eingenommen werden und bei offenen Wunden wie auch Magenbeschwerden Linderung verschaffen. Inzwischen hat man zudem herausgefunden, dass ihr Hauptstoff Myrtillin nicht nur antiseptisch wirkt, sondern auch die Sehkraft steigert. Diese Verbesserung des Sehvermögens interessiert den Künstler George Steinmann sozusagen von Berufs wegen, und so taucht die Beere immer wieder in seinem Werk auf. "Als Künstler damit zu arbeiten, heisst nichts weniger, als mit einem Arzneimittel Kunst zu machen", sagt der Berner, dessen Werk nun in einer Überblicksausstellung im Helmhaus präsentiert wird. So injiziert er in seine Papierarbeiten Heidelbeersaft, bis sie von violetter Farbe durchtränkt sind und geheimnisvolle Muster aufweisen. Dann wieder reichert er das Fixationsbad seiner Schwarzweissfotografien mit dem Saft an, bis seine Motive - Wälder oder Industrieruinen - von einem rot-blauen Grundton bestimmt werden. Die Beeren sind aufgegangen im Kunstwerk.
Steinmann ist Sammler. Er verbringt unzählige Stunden damit, die winzigen Heidelbeeren zu suchen und zu pflücken, und nähert sich seinem künstlerischen Rohstoff ähnlich wie Wolfgang Laib, der in mühseliger Arbeit Blütenpollen einsammelt. Und doch unterscheidet sich Steinmanns Methode von derjenigen Laibs, weil die Beeren nicht das vollendete Kunstwerk, sondern Ausgangsstoff vieler seiner Arbeiten sind. Denn: Steinmann ist auch Forscher. Deutlich wird das in seinem mehrteiligen Werk "The World and the Mind": Über mehrere Jahre hinweg hat er sich mit der Geologie des Engadins auseinandergesetzt, die Gesteinsarten und das Wasser der Heilquellen erforscht. Entstanden ist ein Arrangement aus Erdsubstanzen, das Steinmann wie in einem Labor fein säuberlich auf einem Tisch ausbreitet. Sich ein naturwissenschaftliches Thema aneignen und in Kunst überführen ist denn auch eine wichtige Arbeitsweise des Künstlers, der immer wieder das Spannungsfeld zwischen der naturwissenschaftlichen und der ästhetischen Art des Erkennens thematisiert. Wie Steinmann betont, "ist die Kunst als Wissensform den anderen Formen des Wissens gleichgestellt."
Die Auseinandersetzung Steinmanns mit verschiedenen Wissenssphären, die er zueinander in Beziehung setzt, fusst stets im gesamtheitlichen Erfassen des physisch Vorhandenen. Sei es, dass er den Wald erwandert und seine Stoffe sammelt, oder sei es, dass er sich mit Architektur und ihren Strukturen beschäftigt. Ergänzt wird diese Aneignung durch die Auseinandersetzung mit den Mythen und mit der Geschichte der Orte - exemplarisch belegt wohl durch ein Werk aus den neunziger Jahren, als er eingeladen war, in der Kunsthalle Tallinn seine Arbeiten zu zeigen. Statt eigene Werke in den renovationsbedürftigen Sälen zu präsentieren, initiierte und realisierte er die Instandsetzung der gesamten Kunsthalle: Er griff gleichsam in die Geschichte ein und verbesserte die Bedingungen des lokalen Ausstellungswesens nachhaltig. Im Laufe dieses Projekts etablierte er ein vielschichtiges Netzwerk zwischen Estland und der Schweiz sowie zwischen Kunst, Politik und Wirtschaft. Dieser gesellschaftliche Zug prägt die meisten seiner Arbeiten - es geht ihm um die Verantwortung der Kunst für Gesellschaft und Umwelt, um die "Zukunftsfähigkeit der Kunst", wie er dies nennt.
Steinmann verfolgt eine Idee hartnäckig, ohne ein puristischer Konzeptkünstler zu sein, denn dafür ist sein Werk viel zu sinnlich und sind seine Ausgangsstoffe zu sehr in der Natur verhaftet. Er bewegt sich in der Landschaft und studiert ihre Phänomene, ohne ein typischer Land-Art-Künstler zu sein, denn dafür sind Wissenschaft und Gesellschaftsphänomene zu zentral. So ist Steinmanns Kunst wohl eher ein Sowohl-als-auch, wie sie Andreas Fiedler nennt. Der Gastkurator hat dieses faszinierende, zwischen verschiedenen Wahrnehmungsebenen und Wissensformen changierende Werk so präsentiert, dass nicht nur die forschenden und gesellschaftlichen Aspekte, sondern auch das sinnliche Erleben von Steinmanns Schaffen bestens zum Ausdruck kommt.
Linda Schädler, Neue Zürcher Zeitung, Feuilleton, Dienstag, den 6.Februar 2007

Kunst als Indikator für Veränderung
Nachhaltigkeit und gesellschaftliche Relevanz sind Schlüsselbegriffe im Werk von George Steinmann, der für seine Recherchen vom Schweizer Hinterland bis in die Urwälder Russlands reiste. Die Ausstellung "Blue Notes" bietet nun die Gelegenheit zum Eintauchen in Steinmanns vielschichtiges Universum.
Seltene Flechten, Heilkräuter und Fläschchen voll Ameisenurin sind auf einem Tisch ausgebreitet: Mitgebracht hat George Steinmann sie von seinen ausgedehnten Reisen nach Komi, jener russischen Teilrepublik westlich des Urals, wo sich der letzte grosse Urwald Europas erstreckt. Dass solche Anordnungen über ihren installativen Charakter hinaus an eine Hexenküche oder Versuchslabor erinnern, ist durchaus gewollt. "Kunst ist für mich eine Art der Forschung", sagt Steinmann, der sowohl über die Heilkraft von Beeren als auch über die Bedrohtheit von Pflanzen Bescheid weiss und seine Optik als wahrnehmender Künstler der naturwissenschaftlichen Forschung als gleichbrechtigte Erkenntnisquelle zur Seite stellt.
Netzwerke bauen
So ist beispielsweise eine Flechte für den Künstler mehr als bloss ein Gewächs, das nur im Verbund mit anderen Pflanzen existieren kann. Er sieht darin auch eine Metapher für jene Kultur der Vernetzung und des Dialogs, die auch seinen Arbeiten zugrunde liegen. Gemeinsam mit der lokalen Bevölkerung hat er im bernischen Saxeten eine Brücke und eine Klause gebaut, in Tallinn die Kunsthalle renoviert oder in Komi ein Zentrum für nachhaltige Fortdswirtschaft initiiert - Projekte also, die nicht ohne weiteres als Kunst im engeren Sinn erkennbar sind und die sich in ihrer Prozesshaftigkeit auch weitgehend dem Kunstmarkt entziehen. Dass sich dieser ebenso konzeptuelle wie ganzheitliche künstlerische Ansatz nicht leicht in einer Ausstellung vermitteln lässt, mag mit ein Grund dafür sein, dass die Werke des 57-jährigen Berners bisher in der Schweiz nie in einer Einzelausstellung gezeigt worden sind. Zwei Jahre haben die Vorbereitungen für die jetzige, erste Werkschau denn auch gedauert, für die Andreas Fiedler, freier Kurator aus Bern, gemeinsam mit George Steinmann eine Auswahl aus dessen enormem Fundus an Fotografien, Arbeiten auf Papier, Objekten und Videos getroffen hat. In Anspielung auf den Blues hat George Steinmann, der neben seiner Tätigkeit als bildender Künstler auch Musiker ist, seine Ausstellung mit "Blue Notes" betitelt. Damit nimmt er Bezug auf jene Töne, die zwischen Dur und Moll, zwischen Euphorie und Melancholie oszillieren.
Im Heidelbeerwald
Die auf die lichten Räumlichkeiten des Helmhaus perfekt zugeschnittene Ausstellung beginnt mit der Projektion einer reihe Reihe doppelbelichteter Dias, in denen sich fernöstliche Motive und westliche Industrielandschaften überlagern, gleichsam stellvertretend für Steinmanns Devise des Sowohl-als-auch, wie sie auch im Titel "Mittendrin am Rande" des nächsten Raumes mitschwingt. Hier sind die Wälder durch die Bemalung mit einer Mischung aus Dispersionsfarbe und Heidelbeersaft hellblau getönt. Eine Serie von schwarzweissen Fotos führt ins Dickicht verschiedener naturbelassener Wälder, deren Stille nur durch das Klopfen eines Spechts in einem Video durchbrochen wird. Einen überraschend härteren Ton schlägt Steinmann in der Skulptur "From-To-Beyond" an. Sie besteht aus zwölf runden Stahlcontainern, die mit Plasmaschlacke gefüllt sind, jener Masse, die zur Entsorgung von Sondermüll dient - dies das subversive Resultat einer Reise in die verseuchte russische Arktis.
Die Kunst der Reduktion
Zu den zentralen Arbeiten Steinmanns gehört die "Rückkehr des Raumes", wie er die von 1992 - 1995 erfolgte Renovation der Kunsthalle Tallinn (Estland) bezeichnete. Nachdem hier zunächst vorgesehen war, dass Steinmann eigene Werke ausstellt, entschloss sich dieser angesichts des desolaten Zustands des Hauses jedoch kurzerhand, das Gebäude im Sinn einer "nachhaltigen Skulptur" zu sanieren, mit der Konsequenz, dass bei der Fertigstellung zunächst nichts anderes als die leere Kunsthalle selbst ausgestellt wurde und Steinmann seine Funktion als Künstler in Richtung Netzwerker und Generalunternehmer ausweitete.
Eine Grenzüberschreitung in den Bereich der Naturwissenschaften gelang George Steinmann schliesslich in seiner für das Max-Planck-Institut in Dresden realisierten Videoarbeit, in der Bilder architektonischer und molekularer Strukturen in permanenten Dialog miteinander treten.
Substanz gewinnen
Unsichtbares sichtbar zu machen, ist ein zentrales Anliegen des Berner Künstlers, der ursprünglich in Basel und San Francisco zum Maler ausgebildet wurde. Es kommt da am anschaulichsten zur Geltung, wo Steinmann aus Mineralwasser aus dem Engadin Quellsubstanz gewinnt, die er zu Kugeln formt oder als Pigment zum Malen verwendet. Die auf die Wand gemalten Farbpunkte scheinen gleichsam im Raum zu schweben. Sie sind die Antwort auf den üppig-sinnlichen Materialientisch, auf dem Steinmann noch einmal die Sub-stanzen seiner Grundlagenforschung ausbreitet: Pflanzensäfte, pulverisierter Schiefer, daneben aber auch hochpotenziertes Wasser und Globuli: Diese entlassen die Besucher mit der subtil im Raum stehenden Frage, ob die Gesellschaft nicht allenfalls doch durch die Kunst, verabreicht in homöpathischen Dosen im Stile George Steinmanns, nachhaltig verändert werden kann.
Der Bund, Kultur, 7.Februar 2007 Magdalena Schindler

Wilderer in fremden Gärten
Kunst, die sich einmischt und disziplinäre Grenzen zwischen Musik, Architektur und Wissenschaft mir nichts, dir nichts überwindet:
Mit George Steinmann nimmt das Helmhaus einen Künstler ins Visier, der sein Metier als gesellschaftsbezogene Praxis versteht. Was das genau bedeutet? Dass Steinmann einen nachhaltigen Beitrag zur Kultur leisten möchte - sei es nun, indem er mit Pflanzensäften hantiert, in Fässer abgefüllten Sondermüll über die Grenzen transportiert oder durch die Renovation der Kunsthalle in Tallinn Kunst mit Politik und Wirtschaft fusioniert. Als gestalterischer Tausendsassa arbeitet er mit unterschiedlichsten Medien, von Video und Fotografie über Installationen bis hin zu Wandmalereien und Papierarbeiten.
psz, Zürich Tipp, Kultur, Februar 2007

Ein Mehr an Achtsamkeit
Als einer der international avanciertesten Pioniere arbeitet Steinmann daran, auf radikale Weise jene Loslösung der Kunst von der ganzheitlichen Verantwortung zu überwinden, die das gesamte 20.Jahrhundert dominierte.
Hildegard Kurt. Publikation "Die Kunst der Zukunftsfähigkeit," 2003 ISSN 1439-1856.

Schamanische Unschärfe
Der Schweizer Künstler George Steinmann macht die Vermittlungsleistung der Kunst und der Naturwissenschaft selbst zum Thema. In einer dreiteiligen Videoarbeit, die im Auftrag des Max Planck Instituts für Molekulare Zellbiologie und Genetik in Dresden entstand, bringt er die unterschiedlichen Wahrnehmungsweisen von Architektur, Naturwissenschaft und Kunst in einer Parallelprojektion mit drei Beamern in einen Dialog, der alle Varianten von Überlappungen und Differenz zur Geltung bringt. Bildmaterial aus Architektur und Biologie wird dabei mit Verfahren wie Unschärfe, Spiegelung, Umkehrung und assoziativer Verküpfung zu einem Bilderfluss verbunden, in dem Kunst eine Mittlerposition einnimmt. Zentral ist, dass der scheinbar objektiven Regelhaftigkeit des naturwissenschaftlichen Weltzugriffs ein Modell der Erfahrung zur Seite gestellt wird. Nicht unbedingt im Sinn einer neuen Beseelung, die die aufgeklärte in eine animistische Welt zurückübersetzen will, wohl aber im Sinne einer Anbindung an die individuelle, also begrenzte und relative Wahrnehmung des Einzelnen. Kunst wäre dann nicht mehr so sehr Medium der Kritik als der Verbindung von Wissen und Wahrnehmen, nicht unähnlich dem, was Leonardo mit dem Beharren auf der eigenen Erfahrung stets für sich beansprucht hat.
Gerhard Mack, Feuilleton NZZ am Sonntag,12.1.2003.

Der Ort als Performance
Der Begriff "Ökologie des Geistes" des Philosophen und Antropologen Gregory Bateson taucht in den Gesprächen mit dem Künstler George Steinmann immer wieder auf. So auch der Aspekt der Vernetzung oder die Frage nach der Dialektik von Erkenntnis- und Umweltstrukturen, denn Verlangsamung und Besinnung sind die Grundlagen auf denen Steinmann aufbaut.
Steinmann geht es bei seinen Interventionen um exemplarische Wahrnehmung und Erkenntnisarbeit, letztlich um die Frage nach der Verantwortung der Kunst für Mensch und Umwelt.
Paolo Bianchi, Kunstforum Bd 152 2000

Comments on "The Revival of Space" Tallinn Art Hall, Tallinn, Estonia
"This collaborative project is wonderful and I congratulate you on it's completition and success. Would that many more artists might make this kind of cultural effort!"
Jean-Edith Weiffenbach, Director of Exhibitions, San Francisco Art Institute

"Today, an artist who chooses not to create a clearly individual body of work but rather wishes to emphasize the various interrelationships of communication with the aim of strengthening the awareness of space and environment, will not only express creativity but also a new way of thinking which - simply stated - sees art in its entire responsibility."
Fred Zaugg, "Der Bund", 21.3.1995

"I remember thinking, when I attended the opening of your Tallinn project, that it will probably be difficult for the Art Hall to come up with a more interesting exhibition than this display of the revived interior itself."
Anders Kreuger, Director of the Nordic Arts Institute

"George Steinmann has made the Renovation of Tallinn Art Hall a sample for art of the 21st century."
Timo Valjakka, Director of Kunsthalle Helsinki, Finland.

"George Steinmann has questioned himself about the role of an artist in the modern world. In the present context, with the significance of art and artists seemingly decreased, it is quit a serious question. When George Steinmann asked himself about the possible role of an artist, he came to a fantastic idea in Tallinn: to organize the renovation of the Art Hall as a performance. But what is even more fantastic is that he succeeded in carrying his idea out."
Heie Treier, Hommikuleht, Tallinn 18.2.1995

"It is difficult to imagine what would have become of the Tallinn Art Hall if Swiss artist George Steinmann had not arrived in Tallinn for a short 24-hour visit in the fall of 1992. The Estonian community owes a lot to this project. For practically the first time ever information from Estonia reached a very elite international art level making them aware of an extremely progressive idea."
Book Freedom of Choice, Estonian Art of the 1990's, published 1999

"George Steinmann's art functions to serve cognition. It looks for stoppages and strives to restore them to a steady state. Most famosly and long lastingingly so far, this has been done in the Tallinn Art Hall. Its building, erected in 1934 in the Neues Bauen tradition, but badly bombed in 1945, was in urgent need of renovation. George Steinmann took this renovation upon himself. Refurbishing the building in the subsequent period took the place of work on objects, the act of restoration became an exemplary intervention, intended to sharpen and change perceptions of the situation. Many contributions by artists have concerned themselves with interdisciplinary approaches for some time now - whether illustratively by representation, or suggesting models by imitation, or ironically by creating analogies. The specific processual character of his work, his active contribution to making social paralysis fluid again, is not the least of the factors that gives a profile to George Steinmann's position among them. "
Dr. Gerhard Mack, art critic, 2002

When, after his first 24-hours long visit to Tallinn in the fall of 1992, George Steinmann told me, that if we agreed to it, he would like to create a sustainable mind-sculpture, which would mean the entire renovation of the (then hopelessly dilapidated) exhibition halls of the Art Hall, I politely replied that I thought the idea to be a great one, yet, proceeded to stow it away in my conscience with so many other unrealisable bright ideas. However, Georg Steinmanns enormous creative energy and dedication to his positive vision made this incredible project possible. Today, five years have passed since the successful completition of the "Revival of Space", but its actuality is not diminished. The qualities that make the "Revival of Space" unique and valuable, are the holism of the whole conception and the endurance of its outcome.
This is in contrast to many temporary art-works, which are becoming increasingly expensive and ambitious and whose message reaches only a fraction of the whole society to whom it is directed and upon whose monetary recources it relies.If it were possible, I would work solely upon such projects, those perpetuating enduring, positive values. Within George Steinmann's sensitively ethical and aesthetically unifying holistic creative conception, I see a positive model for future art.
Anu Liivak, Chief Curator, Tallinn Art Hall. April 2000

Netzwerke
Die sozialen Zusammenhänge treten unterschwellig in praktisch allen Arbeiten George Steinmanns auf, sei es in der vierteiligen Arbeit "Risikokommunikation" oder im wunderbaren "Brief an Barnett Newman.", vom Sonnenlicht auf ein mit Leinöl behandeltes Papier "geschrieben". Netzwerke, das grosse Thema unserer Gesellschaft, sind ein wiederkehrendes Motiv in Steinmanns Arbeiten.
Der Bund, 1.3.1997.

Deep Reserve
Steinmann does not consider his work as minimal or conceptualist, but rather a perceptual process that is reductionist and holistic. The installation Deep Reserve,(Winnipeg Art Gallery 1993-94) consists of 14 multimedia works that combine photographs, notes and pigments drawn from lichens and mineral water. The title of each piece serves as a metaphor that exhibits a new paradigm shift from structure to process. As we percieve reality as a network of relationships, descriptions form an interconnected network representing the observed phenomena. Deep Reserve denies the notion that systems are never more than the sum of their parts. Rather, this work is the product of the new paradigm thinking where the process involves finding the invisible in the visible and the visible in the invisible. Steinmann is interested in revealing the deep energy of nature, and in doing so, slows down the artistic process, bringing it to the level of nature. Through this epistemological approach, Steinmann emphasizes perception, the understanding of the process of knowledge as a network of elements coming together as one. What is art about the environment supposed to do? Steinmann will make no claims to answer this question or to fit any established categories of art and environment or to fullfill any standarts but his own. His work, at its core, creates fundamental shifts in human perception and calls an observer to participate in recreating a dynamic healing balance between nature and people. Steinmann rediscoveres and recreates physical, social, philosophical and mythic environments with artistry, originality and exemplary integrity.
In this manner, his work calls for the contributions of scientists to be revaluated. Steinmann's critique of the absolutness of science leads him to work with biologists, geologists and philosophers. By working with them, he believes that art and science can combine forces into an intrinsically dynamic relationship. In such a method, there is no hierarchy.

Steinmann's method is that of no method. There are no absolutes and his position is not to find them, only to understand and accept their absence. To return to the things themselves is to return to the world which precedes knowledge, of which knowledge always speaks, and in relation to which every scientific schematization is an abstract and derivate sign language, as is geography in relation to the countryside in which we have learned beforehand what a forest, a prairie or a river is.
This is the specificity of place.
Shirley J.-R.Madill, Curator. Essay for the exhibition Deep Reserve at Winnipeg Art Gallery 1994.

Kunst die ins Leben greift
Steinmanns philosophische Kunst oder künstlerische Philosophie greift weit aus in andere und weitere Zusammenhänge und Disziplinen. Wer sich mit diesem Werk des multimedialen Künstlers einlässt, entdeckt nicht nur schöne Bilder für das Auge, sondern auch für die Seele und den Geist. Er findet Tiefe, Anregung, Hoffnung; neuer Impuls auch, sich mit ungewöhnlich scheinenden Ebenen des Daseins auseinanderzusetzen.
Agnes Märki, Burgdorfer Tagblatt 21.8.1990

George Steinmann and the Ecology of Mind
Steinmann is searching for powers in nature that are hidden from our eyes - searching in order, first, to reveal them, and secondly, to achieve a connection with them. Thus his work continues the elaboration of the "spiritual dimension" of art which allowed the great reformers at the turn of the century - Kandinsky, Malevitch, Mondrian, to find new ways of expression. We can clearly identify this background in his work.
Steinmann is equal to the work of his predecessors. Also, he is working fully aware in a new situation, in a new way and with new objectives. This is why his production shows an overwhelming variety. Steinmann approaches the most important challenges in the revaluation of our relation to nature. We have to free ourselves from totalitarian absolute metaphors but at the same time we have to preserve our understanding of the entirety and our respect for it.
Essay by Yrjö Haila. Publication for the exhibiton by George Steinmann at Pori Art Museum 1989.